ITAM vs. OTAM im Betrieb
ITAM und OTAM brauchen ein gemeinsames Datenmodell, aber unterschiedliche Erfassungs- und Betriebsregeln. CISA strukturiert OTAM als gepflegtes Asset-Inventar plus Taxonomie für Funktion, Kritikalität, Kommunikationswege und Abhängigkeiten. Der BSI-Anforderungskatalog ergänzt für KRITIS-Betreiber Anforderungen an Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität, Konsistenz, Verantwortlichkeit und nachvollziehbare Änderungen.
Was unterscheidet ITAM und OTAM im Betrieb?
Die folgende Abgrenzung ist ein Arbeitsmodell für Security und Betrieb, keine normative Definition. ITAM konsolidiert den technischen und organisatorischen Kontext von IT-Assets. OTAM erweitert ihn um den physischen Prozess. CISA verlangt für OT deshalb neben dem Inventar eine Taxonomie nach Funktion oder Kritikalität sowie dokumentierte Kommunikationswege und Abhängigkeiten.
| Merkmal | ITAM | OTAM |
|---|---|---|
| Scope | IT-Systeme, Endgeräte, Anwendungen, Identitäten, Cloud- und Netzwerkressourcen | Steuerungen, HMI, Sensoren, Maschinen, Engineering-Systeme und industrielle Netzkomponenten |
| Betriebskontext | Dienst, Standort, Verantwortlichkeit, technischer Zustand und Beziehungen zu anderen IT-Assets | Funktion, Kritikalität, Zone, Kommunikationsweg, Prozessabhängigkeit und physischer Standort |
| Erfassung | Abgleich digitaler Systemquellen und technischer Beobachtungen | Physische Inspektion, logische Bestandsaufnahme, Netzwerkdaten und vorhandene Betriebsdokumentation |
| Lebenszyklus | Inventaränderungen werden mit den IT-Betriebsprozessen abgeglichen | Beschaffung, Bereitstellung, Inbetriebnahme, Wartung und Außerbetriebnahme werden im Inventar abgebildet |
| Gemeinsamer Kern | Identität, Quelle, Verantwortlichkeit, Klassifikation, Historie und Datenqualität | Identität, Quelle, Verantwortlichkeit, Klassifikation, Historie und Datenqualität |
Welche Daten gehören in ein belastbares OT-Asset-Inventar?
CISA priorisiert für jedes OT-Asset 14 Attribute, darunter Kritikalität, Rolle oder Typ, Hersteller, Modell, Betriebssystem, Hostname, IP- und MAC-Adresse, Standort, Protokolle, Ports und Dienste, Benutzerkonten sowie Logging. Diese Felder bilden den technischen Kern. Für den Betrieb müssen Herkunft, Beziehungen und Verantwortlichkeit hinzukommen.
- Identität: eindeutige Asset-Nummer, Hersteller, Modell, Hostname sowie IP- und MAC-Adresse
- Technischer Zustand: Betriebssystem, Firmware oder Software, aktive Protokolle, Ports und Dienste
- Betriebskontext: Rolle oder Typ, physischer Standort, Zone, Kommunikationswege und Prozessabhängigkeiten
- Security-Kontext: Kritikalität, Logging, Benutzerkonten und vorhandene technische Kontrollen
- Verantwortung: zuständige Person, technischer Betreiber, Instandhaltung und beteiligte Dienstleister
- Evidenz: Datenquelle, Erfassungszeitpunkt, Änderungsverlauf und Status der Validierung
Der BSI-Anforderungskatalog ergänzt für relevante KRITIS-Assets eine eindeutige Verantwortungszuweisung über den gesamten Lebenszyklus und eine einheitliche, risikobasierte Klassifikation. Ein gemeinsames IT-/OT-Modell sollte diese organisatorischen Felder deshalb genauso belastbar behandeln wie technische Merkmale.
Wie wird ein OT-Asset-Inventar nach CISA aufgebaut?
CISA beschreibt einen fünfstufigen Prozess vom festgelegten Scope bis zum Lebenszyklusmanagement. Das Ergebnis ist kein einmaliger Scan, sondern ein gepflegtes Inventar mit validierter Taxonomie.
Assets und Attribute erfassen
Physische Inspektion und logische Bestandsaufnahme werden mit digitalen und netzwerkbasierten Informationen kombiniert. Auch dokumentierte Assets und Infrastrukturabhängigkeiten werden einbezogen.
Daten validieren und verwalten
Inventardaten werden auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft, Beziehungen visualisiert und durch Herstellerunterlagen, Wartungsdaten, Konfigurationen und Betriebsdaten ergänzt.
Welche Anforderungen ergänzt der BSI-Katalog für KRITIS?
- Inventarqualität (AM-01): vollständig, richtig, aktuell und konsistent, Änderungen nachvollziehbar historisieren und fehlende Automatisierung durch regelmäßige manuelle Prüfungen ausgleichen
- Verantwortlichkeit (AM-02): jedes relevante Asset einer verantwortlichen Person auf Betreiberseite zuweisen und über den gesamten Lebenszyklus korrekt inventarisieren und klassifizieren
- Klassifikation (AM-05): Informationen und Assets einheitlich auf Basis von Risikoanalyse und Folgeabschätzung klassifizieren
- Netztopologie (KOS-06): Architektur aktuell und nachvollziehbar dokumentieren, einschließlich unterschiedlicher Umgebungen, Netzsegmente und Datenflüsse
- Änderungsmanagement (BEI-03 bis BEI-10): Risiken bewerten, Änderungen kategorisieren und priorisieren, Tests und Freigaben dokumentieren, Rollback ermöglichen und Notfalländerungen nachvollziehen
Wie werden ITAM und OTAM praktisch zusammengeführt?
Ein gemeinsames Modell vereinheitlicht Identität, Evidenz und Qualitätsregeln. IT und OT behalten jedoch ihre eigenen Erfassungswege, Freigaben und Betriebsgrenzen.
Quellen getrennt erfassen
IT-Systemquellen, physische Bestandsaufnahme, Netzwerkdaten, Engineering-Unterlagen und Wartungsdaten liefern Beobachtungen mit Herkunft und Zeitpunkt.
Identitäten und Beziehungen abgleichen
Dubletten und Widersprüche werden aufgelöst. Zonen, Kommunikationswege, Dienste und Prozessabhängigkeiten bleiben als Beziehungen erhalten.
Verantwortung und Klassifikation ergänzen
Jedes relevante Asset erhält eine zuständige Person, eine betriebliche Rolle und eine nachvollziehbare Kritikalitäts- oder Risikoklassifikation.
Änderungen zu Inventarereignissen machen
Inbetriebnahme, Wartung, Austausch und Außerbetriebnahme aktualisieren das Inventar. Regelmäßige Validierung prüft Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität und Konsistenz.


